Am 14. November 1992 wurde in der Meeraner Stadthalle der Landesverband Freie Wähler Sachsen im Rahmen einer Bundesverbandstagung gegründet. Zu den Gründungsmitgliedern zählten die Freien Wählervereinigungen von Bad Elster, Bad Muskau, Dresden, Krauschwitz, Lauter, Meerane und Pegau.
Der Gründungsgedanke entstand aus der Überlegung, dass die in den neuen Bundesländern zur Wendezeit entstandenen Wählervereinigungen eine gemeinsame Plattform für die Verbindung untereinander, für die Vorbereitung von Wahlen, vor allem aber auch für die kommunalpolitische Bildung ihrer Mitglieder benötigten.
Als Vorbild dienten die Landesverbände der Freien Wähler in den alten Bundesländern, von denen die Aufbauphase unseres Landesverbandes tatkräftig unterstützt wurde.
Zum ersten sächsischen Landesvorsitzenden wurde Klaus-Dieter Scholz aus Dresden gewählt, der dieses Amt 1997 an seinen Stellvertreter Dr. Peter Ohl, weitergab.
Der Landesverband Sachsen hat sich seit seiner Gründung kontinuierlich zum bisher stärksten in den neuen Bundesländern entwickelt. Er ist ein eingetragener Verein.
Anlässlich des 10- jährigen Bestehens wurde eine Festbroschüre
herausgegeben.
Am 28.02.2004 wurde ein den Freien Wählern nahe stehendes Bildungswerk in
Werdau OT Steinpleis gegründet. Zum Vorsitzenden wurde Herr Sören Kristensen gewählt.
Neuwahl des Vorstandes am 30.10.2004 in Lauta. In Anwesenheit seiner beiden Vorgänger, Klaus-Dieter Scholz und Dr. Peter Ohl wurde Bernd Gerber,
Oberbürgermeister a. D. aus Werdau zum neuen Vorsitzenden gewählt.
Am 21.10.2006 in Markneukirchen, wurde der bisherige Vorstand für weitere zwei Jahre wieder gewählt.
Am 12./13. Oktober 2007 wurde in Aue das 15-jährige Bestehen des Landesverbandes Sachsen gefeiert. Die Chronik "15 Jahre Landesverband" ist für
5,00 Euro über den Landesvorsitzenden Herrn Bernd Gerber erhältlich.
Am 18.10.2008 wurde in Bad Düben der Vorstand neu gewählt. Als
Vorsitzender wurde Herr Bernd Gerber, Oberbürgermeister a.D.
aus Werdau, erneut gewählt. Zum 1. Stellvertreter wurde Herr
Georg Grajewski und zum 2. Stellvertreter wurde Herr Thomas
Kirsten, Bürgermeister aus Altenberg, gewählt.
15 Jahre Landesverband -
Herbsttagung am 12./13. Oktober 2007 in Aue
Festrede
von Dr. Peter Ohl - Ehrenvorsitzender der Freien Wähler Sachsen
Meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Freie Wähler und
Gäste, verehrter Herr Vorsitzender,
versetzen wir uns in die
Jahre 1989/90 zurück. Im Herbst 1989, am Ende der Ära der SED samt ihren befreundeten
Blockparteien und Massenorganisationen bildeten sich auf dem
Gebiet der DDR spontan große Bürgerbewegungen. Ihre Ziele, auf
Spruchbändern formuliert, gingen von Leipzig und anderen
ostdeutschen Orten über die Medien in die Welt:
„Wir wollen raus“, „Wir sind das Volk“, „Freie Wahlen“,
„Für die Wiedervereinigung unseres Vaterlandes“. Wer damals
dabei war, wird das nie vergessen.
Dann überschlugen sich die Ereignisse. Diese großen Ziele
wurden unerwartet, aber erhofft innerhalb weniger Monate
erreicht. Es folgte die Zeit der Zauberlehrlinge. Verlief die
erste freie Wahl zur Volkskammer am 18. März 1990 fast noch im
Rausch, brachte die Kommunalwahl am 6. Mai schon die ersten
Ernüchterungen für die Bürger.
Bisher zentral gesteuert, galt es nun die kommunale
Selbstverwaltung zu erlernen und auszuüben. In dem Bestreben,
die alten Machtstrukturen und Netzwerke durch neue zu ersetzen,
was übrigens nirgends komplett gelungen ist, galt es im
Schnellverfahren engagierten Bürgern das nötige Wissen für
die Verwaltung und die neu zu wählenden Gemeinde- und
Kreisvertretungen zu vermitteln.
Grundlage schufen die mit heißer Nadel gestrickte
Kommunalverfassung vom 16. Mai 90 und zahlreiche Mentoren aus
westlichen Verwaltungen von meist frisch begründeten
Städtepartnerschaften und kommunalpolitischen
Bildungswerken.
Aus der Fülle der Aufgaben erklärt es sich, dass viele Bürger
sich erst einmal den nächstliegenden örtlichen Problemen
zuwandten. Dort, wo eine Kandidatur zur Kommunalwahl über die
Listen neuer oder alter gewendeter Parteien abgelehnt wurde,
entstanden deshalb viele themenkonzentrierte Bürgerinitiativen
mit den unterschiedlichsten Bezeichnungen.
Vereinzelt gab es aber auch schon Freie Wählervereinigungen
nach westdeutschem Vorbild, die das ganze Spektrum der
Kommunalpolitik als ihre Aufgabe betrachteten.
Die Ratsarbeit begann unter dem Motto „learning by doing“.
Wer erinnert sich nicht an die ersten Ratssitzungen, den ersten
Haushaltplan, der nur von Transferleistungen gespeist wurde, an
das Ordnen der komplizierten Eigentumsverhältnisse, überhaupt
an die völlig neuen Aufgaben in der Verwaltung?
Ohne die vielen „Wanderarbeiter“ aus den westdeutschen
Verwaltungen, ohne die Kurse in den neu gegründeten
sächsischen Verwaltungsschulen und den intensiven Besuch von
Fachseminaren wäre das nicht zu leisten gewesen. Wir haben aber
auch ganz schnell begriffen, dass nicht alle Probleme in den
neuen Bundesländern allein mit dem Fachwissen der Berater aus
dem Westen zu lösen sind. Die Kenntnis der spezifischen
Bedingungen vor Ort war ebenso wichtig.
Die große Bedeutung des Erfahrungsaustausches mit anderen
Freien Wählern erkannten wir am Rande von Seminaren in Bayern
und Baden-Württemberg. Dort traf man gelegentlich auf andere
Freie Wähler aus dem Osten, aus Sachsen. Daraus folgerte der
zunächst zaghaften Beginn eines verbindenden Netzwerkes.
Innerhalb von 1 ½ Jahren wurde mit Unterstützung des
Bundesverbandes und der Landesverbände der Freien Wähler von
Bayern und Baden-Württemberg die Voraussetzung für die
Gründung eines sächsischen Landesverbandes geschaffen.
Die organisatorische Vorbereitung lag in den Händen der Stadt
Meerane, in der damals die Freien Wähler mit mir als
Bürgermeister die stärkste Kraft im Stadtrat waren. Am 14.
November 1992, eine Woche nach den Thüringern, fand die
Gründungsversammlung des Landesverbandes Sachsen in der
Stadthalle Meerane statt.
Klaus-Dieter Scholz, Stadtkreisrat aus der Landeshauptstadt
Dresden, wählte die Versammlung zu ihrem ersten
Landesvorsitzenden. Unter seinem Vorsitz wuchs unser
Landesverband zu dem stärksten in den neuen Bundesländern
heran.
Zahlreiche örtliche Wählervereinigungen sind im Laufe der
Jahre dem Landesverband beigetreten. Als Zwischenebene wurden,
initiiert vom Landesverband, Kreisverbände gegründet. Damit
wuchs Netzwerk für parteiungebundene, kommunalpolitisch
interessierte Bürger von den Ortschafts- und Gemeindeebenen bis
zu den Städten und Kreisen.
1997 wurde ich als bisheriger Stellvertreter mit dem
Landesvorsitz betraut. Die Arbeit des Landesvorstandes bestand
weiterhin vorrangig in der Gewinnung neuer Mitglieder, der Hilfe
bei der Vorbereitung von Kommunalwahlen und der Organisation der
Landestagungen, die zweimal jährlich mit wechselndem Tagungsort
stattfinden.
Und immer wieder ging es um die Fortbildung der der Mitglieder.
Nicht zuletzt deshalb tragen die Freien Wähler als Gemeinde-,
Stadt- und Kreisräte seit Jahren zur guten Entwicklung ihres
Territoriums in Sachsen bei.
Trotzdem ist es dem Landesvorstand während der Amtszeit von
Kurt Biedenkopf nicht gelungen, auch nur einen Gesprächstermin
in der Staatskanzlei zu bekommen. Erst unter seinem Nachfolger,
Georg Milbradt, begannen Gespräche, die dem gegenseitigen
Verständnis und dem guten politischen Klima dienten.
Ein Höhepunkt in der bisherigen Geschichte des Landesverbandes
war das 10-jährige Jubiläum, das am 8. / 9. November 2002 in
Anwesenheit zahlreicher Gäste aus dem ganzen Bundesgebiet im
Kirchgemeindehaus Meerane begangen wurde. In der aus diesem
Anlass herausgegebenen Broschüre, von der heute noch einige
Exemplare zu haben sind, findet sich der Werdegang des Verbandes
in den zurückliegenden Jahren.
Fast schon traditionsgemäß übernahm Bernd Gerber, der bis
dahin als Stellvertreter fungierte, 2004 die Nachfolge von mir
als Landesvorsitzender. Als ehemaliger Oberbürgermeister von
Werdau und Verwaltungsfachwirt führt er seitdem den
Landesverband.
Dr. Peter Ohl
Ehrenvorsitzender des Landesverbandes
Festrede
Bernd Gerber Landesvorsitzender der Freien Wähler Sachsen
Liebe Freie Wähler, liebe Freunde,
sehr geehrte Gäste,
wir haben soeben eine Power-Point-Präsentation über die Entstehung und
Entwicklung unseres Landesverbandes gesehen und die Ausführungen von unserem
Ehrenvorsitzenden Herrn Dr. Ohl gehört.
In meinen Ausführungen möchte ich nach dieser Situationsbeschreibung des
Werdens und des Seins einige Gedanken aus meiner Sicht als Landesvorsitzender
zum Ausdruck bringen und einen Blick in die Zukunft wagen.
Fünfzehn Jahre Landesverband der Freien Wähler in Sachsen, eine beachtliche
Zeit, mit Blick auf die alten Bundesländer sind wir jedoch noch sehr jung. Ein
Vergleich mit den Freien Wählern in den alten Bundesländern ist direkt nicht
möglich, da die Historie doch eine andere ist. Dennoch gibt es im Wesen der
Freien Wähler die gleichen Ansatzpunkte welche uns einen.
Ist die Entstehung der Freien Wähler in den alten Ländern auf die Erfahrungen
mit dem Naziregime zurück zu führen. Viele Menschen wollten sich auf
kommunaler Ebene für ihr Dorf, ihre Stadt und ihren Landkreis engagieren, aber
nie wieder ein Parteibuch in die Hand nehmen. Auch später sind weitere Freie
Wähler aus Bürgerinitiativen entstanden. Seit der Gründung der Bundesrepublik
Deutschland sind Freie Wähler auf kommunaler Ebene eine feste Größe und nicht
mehr weg zu denken.
So war die Entstehung in den neuen Ländern zwar ähnlich, was Erfahrungen mit
Parteien in der DDR Diktatur betrifft es kamen aber noch weitere Gesichtspunkte
hinzu
Viele Menschen die sich in der Vor- und Wendezeit für Veränderungen
einsetzten, wollten diese neue Zeit mitgestalten und taten dies auch.
Zu den ersten freien Kommunalwahlen in der DDR im Mai 1990 traten neben den
Parteien viele Gruppierungen mit den unterschiedlichsten Namen an.
„Unabhängige Bürgerliste, Feuerwehrverein, Kaninchenzüchter, Bürger für…,
Neues Forum, Demokratischer Aufbruch, Umweltinitiative usw.“. Den Begriff
Freie Wähler in dem Sinne gab es vermutlich noch nicht oder nur selten.
Die ersten Kontakte zu den alten Ländern brachte auch die Botschaft der Freien
Wähler mit. Mancher wurde von Freien Wählern der alten Länder dazu
aufgefordert, gründet doch bei euch auch Freie Wähler.
Mir ist es wichtig, ohne zu wissen wie es örtlich tatsächlich war deutlich zu
machen, dass es viele Menschen gab die sich engagieren wollten, aber nicht in
das Korsett eines Parteibuches zwängen zu lassen.
Und diese individuelle Entstehung der unabhängigen Wählergruppen vor Ort
spüren wir noch heute, und werden dies noch einige Zeit spüren.
In den Gesprächen mahnen wir immer wieder an, das die ‚Freien Wähler doch
etwas Struktur benötigen, und vielen von uns geht der Prozess zu langsam.
Oft wird gesagt, wir sind noch zu unorganisiert, die Mitgliedschaft im
Landesverband ist noch zu gering, einheitlicher Name und Logo geht zu schleppend
voran.
Ich sage aber 15 Jahre ist ein noch junges Leben mit großer Zukunft. Ohne müde
zu werden lassen sie uns doch die Bilanz anders ziehen.
Was haben wir in den 15 Jahren denn alles schon erreicht.
• Es gibt einen funktionierenden Landesverband, den stärksten und
kontinuierlichsten in den neuen Ländern
• Wir sind die zweitstärkste Kraft auf kommunaler Ebene nach der CDU
• Unsere Mitglieder wachsen langsam, aber stetig
• Wir stellen 119 Bürgermeister
• In vielen Räten sind wir eine berechenbare konstruktive Kraft, welche nicht
mehr weg zu denken ist
• Wir arbeiten im Bundesverband mit, und stellen einen Stellvertreter des
Bundesvorsitzenden
• Wir sind bei der Staatsregierung und sächsischen Parteien ein ernster und
berechenbarer Gesprächspartner
• Wir haben ein eigenes Bildungswerk aufgebaut
• Die Verschmelzung von freien Wählern mit Blick auf die Kreiswahlen im Jahr
2008 läuft
Es wären noch mehr erreichte Dinge zu nennen.
Erfolgsbilanz könnte man sagen, das kennen wir aus unserer DDR Vergangenheit
zur Genüge, das hängt uns zum Halse heraus. Das wäre richtig wenn wir mit
dieser Bilanz aufhören würden. Ich finde es notwendig das wir uns dem
Erreichten bewusst werden, das stärkt unser Selbstvertrauen und gibt uns
Ansporn für weitere realistische Aufgaben.
Also wo geht die Fahrt hin, welchen Herausforderungen wollen und müssen wir uns
stellen.
Für mich liegen die Schwerpunkte der nächsten Zeit darin:
• Den Landesverband in der Breite des Landes noch bekannter zu machen, und die
Einsicht in die Notwendigkeit dessen zu vermitteln
• Daraus müssen weitere Mitglieder gewonnen werden
• Unsere Frühjahrs- und Herbsttagungen müssen mehr Sachthemen behandeln, um
auch über gemeinsame Standpunkte nachzudenken
• Die Kommunikation untereinander muss verbessert werden, hier sollte mehr
über den Vorsitzenden und den Vorstand laufen
• Die Vereinheitlichung des Namens und des Logos, mindestens dergestalt dass
Freie Wähler und unser Logo mit verwendet werden bis die eigenen auslaufen
• Einzug in alle Kreistage im Jahr 2008
• Verbesserung der Öffentlichkeitsarbeit
Es gäbe vielleicht noch mehr an Schwerpunkten zu setzen, ich bin eher dafür
sich weniger vorzunehmen und dieses allerdings mit aller gebotenen Konsequenz in
die Tat umzusetzen.
Für dieses Vorgenommene bietet die Vorbereitung und Durchführung der
Kreistagswahlen im nächsten Jahr eine riesige Chance, welche wir nutzen
müssen.
Dieser Prozess hat bereits begonnen. Ich war und bin zur Zeit viel unterwegs im
Land und spüre dabei welches enorme Potential die Freien Wähler haben. Ich
muss natürlich auch deutlich machen, dass es noch Gebiete gibt, wo die
Anstrengungen deutlich verstärkt werden müssen.
Liebe Freie Wähler,
in acht Monaten ist bereits Wahl, die Zeit wird enger.
Lasst uns Gas geben!
Viele Menschen in diesem Land wollen, dass wir uns zur Verfügung stellen mit
unseren Persönlichkeiten und unserem Sachverstand, uneigennützig sich
einzusetzen für unsere Gemeinden und Landkreise.
Ziel muss es auch sein, Landratskandidaten aufzustellen. Hierbei ist mir wichtig
nicht um jeden Preis einen Kandidaten aufzustellen, sondern nur dann wenn wir
eine Persönlichkeit haben, mit der wir guten Gewissens auftreten können und
die wir dabei nicht opfern, indem wir sie verheizen.
Zum gleichen Zeitpunkt am 8.Juni finden viele Bürgermeisterwahlen statt, auch
hier gilt es überall wo es möglich ist geeignete Kandidaten aufzustellen.
Liebe Freie Wähler,
gehen wir also mit aller Konsequenz die Herausforderungen des Jahres 2008 an,
lassen sie uns unsere wahre Stärke demonstrieren. Das Ergebnis dieser Wahlen,
die Bündelung der Freien Wähler in Sachsen werden selbst Maßstäbe für die
dann folgenden Aufgaben und Herausforderungen setzen.
Bernd Gerber
Landesvorsitzender Freie Wähler Sachsen e.V.
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